"Bedeutet Loslassen nicht eigentlich Verdrängung?" Viele Menschen versuchen loszulassen, machen dabei diesen entscheidenden Fehler
- Sophie Lauenroth
- vor 1 Tag
- 4 Min. Lesezeit

Einer der größten Irrtümer beim Thema Loslassen besteht wahrscheinlich darin, dass viele Menschen glauben, emotionale Heilung müsse sich irgendwann wie völlige Gleichgültigkeit anfühlen — als würde man eines Morgens aufwachen und plötzlich wäre da einfach nichts mehr: keine Traurigkeit, keine Wut, keine Sehnsucht, kein inneres Ziehen mehr, sobald man an eine bestimmte Person, Situation oder alte Version seines Lebens denkt. Genau deshalb setzen sich so viele Menschen unter Druck, „endlich darüber hinwegzukommen“, schneller zu heilen oder emotional stärker zu werden, obwohl ihr Inneres eigentlich längst signalisiert, dass da noch etwas gesehen werden möchte.
Und ehrlich gesagt kann ich verstehen, warum dieser Wunsch so groß ist.
Gefühle können unglaublich anstrengend sein, besonders dann, wenn man nie gelernt hat, wie man wirklich mit ihnen umgeht. Viele Menschen haben früh verstanden, dass Funktionieren sicherer ist als Fühlen.
Dass Anpassung Konflikte verhindert.
Dass Stärke Anerkennung bringt.
Dass man möglichst unkompliziert sein sollte.
Also beginnt man irgendwann damit, Gefühle eher zu kontrollieren als zu verstehen. Man lenkt sich ab, analysiert alles kaputt, arbeitet mehr, scrollt mehr, beschäftigt sich permanent oder redet sich ein, dass man „eigentlich längst weiter sein müsste“. Und kurzfristig funktioniert das manchmal sogar ziemlich gut. Man kann jahrelang sehr erfolgreich verdrängen und gleichzeitig nach außen wirken, als hätte man alles im Griff.
Genau darin liegt allerdings oft das eigentliche Problem.
Unser Gehirn verarbeitet Emotionen nämlich nicht dadurch, dass wir sie ignorieren, sondern dadurch, dass sie wahrgenommen, verstanden und integriert werden. Gefühle verschwinden nicht automatisch, nur weil wir beschäftigt genug sind, um sie kurzzeitig nicht zu spüren.
In der Psychologie wissen wir inzwischen ziemlich gut, dass unterdrückte Emotionen häufig auf anderen Ebenen wieder auftauchen, zum um Beispiel als innere Unruhe, emotionale Erschöpfung, Schlafprobleme, körperliche Anspannung, Gereiztheit, Overthinking oder dieses diffuse Gefühl, nie wirklich abschalten zu können, obwohl objektiv gerade eigentlich gar nichts passiert.
Verdrängung ist ein bisschen wie der Versuch, einen Wasserball unter Wasser zu drücken. Für einen Moment klappt das vielleicht ganz gut und man hat sogar das Gefühl, Kontrolle zu haben. Aber je länger man drückt, desto mehr Kraft kostet es — und irgendwann schießt einem genau das, was man so lange versucht hat wegzuhalten, mit voller Wucht wieder entgegen.
Viele Menschen entwickeln genau deshalb irgendwann eine Art „funktionierende Version“ von sich selbst. Nach außen wirkt alles stabil, kontrolliert und souverän, während innerlich längst Überforderung, Angst, Einsamkeit oder Traurigkeit herrscht. Sie kümmern sich um andere, übernehmen Verantwortung, bleiben verständnisvoll, halten durch und machen weiter — oft so lange, bis sie irgendwann selbst kaum noch spüren, was sie eigentlich fühlen, brauchen oder wollen.
Besonders Menschen mit People-Pleasing-Tendenzen kennen dieses Muster oft sehr gut. Sie haben gelernt, die Bedürfnisse anderer schneller wahrzunehmen als ihre eigenen. Harmonie fühlt sich sicher an. Anpassung fühlt sich vertraut an. Gleichzeitig entsteht dadurch häufig eine enorme innere Entfremdung, weil man permanent damit beschäftigt ist, Erwartungen zu erfüllen, statt sich selbst wirklich zuzuhören. Viele merken erst sehr spät, wie erschöpft sie eigentlich sind, weil sie so lange im Funktionsmodus gelebt haben.
Und genau deshalb hat echtes Loslassen oft viel weniger mit Kontrolle zu tun, als viele denken.
Loslassen beginnt häufig genau dort, wo man aufhört, ständig gegen die eigenen Gefühle anzukämpfen. Wo man ehrlich anerkennt, dass etwas wehgetan hat. Dass man vielleicht viel länger versucht hat, okay zu wirken, als man es tatsächlich war. Dass man sich selbst permanent angepasst hat, um geliebt, gebraucht oder akzeptiert zu werden. Dass dieses ständige Funktionieren unglaublich viel Kraft kostet.
Emotionale Heilung bedeutet deshalb meistens auch nicht, irgendwann gar nichts mehr zu fühlen. Viel eher entsteht Heilung oft dadurch, dass Gefühle da sein dürfen, ohne dass man sofort versucht, sie wegzumachen, zu kontrollieren oder sich dafür zu verurteilen. Traurigkeit verliert häufig genau dann einen Teil ihrer Macht, wenn man endlich aufhört, vor ihr wegzulaufen. Wut wird oft erst dann konstruktiv, wenn man versteht, welche Grenze eigentlich verletzt wurde. Und viele Menschen spüren ihre eigenen Bedürfnisse überhaupt erst wieder, sobald sie nicht mehr die ganze Zeit versuchen, für alle anderen stark zu sein.
Genau über diese Themen schreibe ich übrigens auch sehr ausführlich in meinem neuen Buch „Fühl es. Schreib es. Lass es los. Wie du endlich Schluss machst mit deiner Vergangenheit“. Es geht darin um emotionales Festhalten, alte Muster, People Pleasing, innere Überforderung und die Frage, warum Loslassen oft viel tiefer geht als bloß „weiterzumachen“. Weil emotionales Loslassen eben nicht bedeutet, Gefühle loszuwerden, sondern wieder in echten Kontakt mit sich selbst zu kommen.
Und weil gerade so viele Menschen mit genau diesen Themen kämpfen, gibt es aktuell bis zum 31.05. eine besondere Loslass-Aktion: Alle Vorbesteller:innen und Käufer:innen erhalten zusätzlich 3 exklusive Audioübungen sowie ein Workbook mit 30 Fragen zum Loslassen kostenlos dazu — als Unterstützung für genau diesen Prozess zwischen Verstehen, Fühlen und langsamem innerem Lösen.
Vielleicht besteht Loslassen am Ende nämlich gar nicht darin, irgendwann nichts mehr zu fühlen.
Vielleicht beginnt echte Freiheit genau in dem Moment, in dem man aufhört, permanent vor sich selbst davonzulaufen.





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