Die Angst, etwas anzufangen, obwohl es dir gut tun würde
- Sophie Lauenroth
- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Es gibt diese merkwürdigen Momente, die viele Menschen gut kennen, aber selten laut aussprechen. Man weiß eigentlich ziemlich genau, dass einem etwas guttun würde. Man hat es vielleicht schon mehrfach gedacht, vielleicht sogar ausgesprochen. Und trotzdem bleibt man stehen, wartet, schiebt es vor sich her. Meistens liegt darunter eine Angst vergraben.
Diese Angst fühlt sich selten dramatisch an. Sie kommt nicht mit Panik oder klaren Gedanken wie „Das schaffe ich nicht“. Sie zeigt sich viel subtiler - Zögern, inneres Abwägen, als dieses diffuse Gefühl von „Jetzt gerade ist irgendwie noch nicht der richtige Zeitpunkt“.
Und genau deshalb wird sie so oft missverstanden – auch von den Betroffenen selbst.
Warum wir Dinge meiden, die uns eigentlich helfen würden
Viele Menschen glauben, dass Angst vor Veränderung bedeutet, dass man sich nicht genug anstrengt oder nicht motiviert genug ist. In meiner Arbeit erlebe ich aber etwas anderes. Sehr häufig steckt hinter diesem Zögern kein Mangel an Willen, sondern ein sehr gut trainierter innerer Schutzmechanismus.
Gerade Menschen mit hohem Anspruch, mit viel Verantwortungsgefühl oder einer langen Geschichte des Funktionierens haben früh gelernt, sich selbst über Leistung, Kontrolle oder Durchhalten zu regulieren. Dinge anzufangen, die wirklich entlasten könnten, fühlt sich dann paradoxerweise riskant an. Nicht, weil sie gefährlich wären – sondern weil sie etwas verändern könnten, das bisher zumindest eine gewisse Sicherheit gegeben hat.
Denn etwas Neues zu beginnen bedeutet nicht nur Hoffnung. Es bedeutet auch, sich einzugestehen, dass es so, wie es gerade ist, vielleicht nicht mehr gut tut. Und genau das kann
innerlich Angst machen.
Die Angst vor dem Scheitern ist oft eine Angst vor Selbstenttäuschung
Viele Menschen sagen, sie hätten Angst, etwas anzufangen und dann nicht durchzuhalten.Was sie damit oft wirklich meinen, ist etwas anderes: die Angst, sich selbst wieder zu enttäuschen.
Wer lange mit hohen inneren Ansprüchen lebt, hat häufig ein sehr strenges inneres Bewertungssystem. Etwas zu beginnen heißt dann nicht einfach, einen Schritt zu gehen, sondern sich unbewusst an eine innere Messlatte zu binden. Jetzt müsste ich es aber auch richtig machen. Jetzt müsste ich dranbleiben. Jetzt dürfte ich nicht wieder abbrechen.
Das Zögern ist in diesem Sinne kein Versagen, sondern ein Versuch, sich vor dieser inneren Härte zu schützen.
Warum gerade Entlastung Angst machen kann
Ein weiterer Punkt, der oft übersehen wird: Für viele Menschen fühlt sich Entlastung ungewohnt an. Wenn man jahrelang gelernt hat, sich über Anspannung, Kontrolle oder Leistung zu regulieren, dann kann Ruhe innerlich sogar Stress auslösen. Nicht, weil Ruhe "schlecht" ist, sondern weil das Nervensystem sie nicht mehr gewohnt ist.
Etwas anzufangen, das verspricht, Druck zu reduzieren, kann dann unbewusst als Kontrollverlust erlebt werden. Als würde man etwas loslassen, ohne genau zu wissen, was danach kommt. Auch das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Anpassung an frühere Erfahrungen.
Drei kleine Perspektivwechsel, die helfen können

Vielleicht hilft es dir, diese Angst nicht als Gegner zu sehen, sondern als Hinweis. Als etwas, das dir zeigt, wie wichtig dir Sicherheit ist.
Ein erster Schritt kann sein, nicht zu fragen: „Warum traue ich mich nicht?“, sondern:„Wovor schützt mich dieses Zögern gerade?“
Ein zweiter Gedanke, der vielen hilft: Du musst nichts anfangen, um es perfekt zu machen. Du darfst Dinge beginnen, ohne zu wissen, wie konsequent du bleibst oder wie sehr sie dein Leben verändern. Manchmal reicht es, einen Raum zu betreten, ohne sich sofort dort einzurichten.
Und vielleicht der wichtigste Punkt: Etwas anzufangen, das dir gut tun könnte, muss kein Projekt sein. Es darf ein leiser Versuch sein.
Wenn du merkst, dass dich dieses Thema länger begleitet
Viele Menschen, die sich in diesen Gedanken wiederfinden, merken irgendwann, dass es nicht um diese eine Entscheidung geht, sondern um ein tiefer liegendes Muster. Um inneren Druck, Selbstkritik und die Angst, nicht zu genügen – selbst in Momenten, die eigentlich entlasten sollten.
Genau hier setze ich auch in meinem Perfektionismus-Intensivkurs an. Nicht mit dem Anspruch, etwas aus dir herauszuholen, sondern mit dem Ziel, zu verstehen, warum Entlastung sich manchmal so schwer anfühlt und wie man Schritt für Schritt einen anderen inneren Umgang damit finden kann. Der Kurs ist aktuell geöffnet und richtet sich ausdrücklich auch an Menschen, die wenig Energie haben und nichts „abarbeiten“ möchten.
Vielleicht ist es heute noch nicht der Moment, etwas Großes zu beginnen.Aber vielleicht ist es der Moment, freundlich mit deinem Zögern zu sein – und es nicht länger als persönliches Versagen zu sehen.
Manchmal beginnt Veränderung genau dort. Aktuell ist der Kurs noch bis 05.02. erhältlich. Wenn du dabei sein möchtest, dann klick einfach hier.







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