Warum du dich schuldig fühlst, wenn du an dich denkst
- Sophie Lauenroth
- 7. März
- 3 Min. Lesezeit

Viele Menschen erleben einen Moment, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, sich innerlich aber überraschend schwer anfühlt: Sie nehmen sich Zeit für sich selbst, sagen eine Einladung ab, setzen eine Grenze oder entscheiden sich bewusst für etwas, das ihnen guttut – und fast sofort taucht ein unangenehmes Gefühl auf.
Dieses Gefühl ist so verbreitet, dass viele es gar nicht mehr hinterfragen. Sie gehen davon aus, dass es normal ist, sich ein wenig schlecht zu fühlen, wenn man an sich selbst denkt.
Wenn Rücksicht wichtiger war als eigene Bedürfnisse
Viele Menschen, die heute schnell Schuld empfinden, wenn sie an sich denken, haben früh gelernt, dass Harmonie, Anpassung oder Rücksichtnahme einen besonders hohen Stellenwert haben. Vielleicht war es wichtig, Konflikte zu vermeiden, vielleicht wurden eigene Bedürfnisse eher als störend wahrgenommen oder man hat früh gemerkt, dass es einfacher ist, die Wünsche anderer zu erfüllen, als die eigenen klar auszusprechen.
Solche Erfahrungen hinterlassen Spuren, weil unser Gehirn daraus Regeln ableitet, die lange bestehen bleiben. Eine dieser Regeln könnte lauten: „Wenn andere enttäuscht sind, habe ich etwas falsch gemacht.“
Das Problem dabei ist nicht, dass Rücksichtnahme etwas Schlechtes wäre. Im Gegenteil: Empathie und Mitgefühl sind wichtige Fähigkeiten, die Beziehungen stabil und menschlich machen. Doch wenn Rücksicht zur einzigen Orientierung wird und die eigenen Bedürfnisse automatisch an letzter Stelle stehen, entsteht ein Ungleichgewicht, das langfristig zu Selbstzweifeln und innerer Anspannung führen kann.
Der Zusammenhang zwischen Schuldgefühl und Selbstkritik
Ein weiterer Grund, warum sich das Denken an sich selbst schnell wie ein Fehler anfühlen kann, liegt in der Art und Weise, wie wir mit uns selbst sprechen. Menschen mit starkem innerem Kritiker neigen dazu, ihr eigenes Verhalten besonders streng zu bewerten und sich selbst schneller infrage zu stellen als andere.
Dieses Muster sorgt dafür, dass der Fokus ständig auf möglichen Fehlern liegt, während eigene Bedürfnisse wie ein Problem behandelt werden. Das Schuldgefühl entsteht also nicht unbedingt aus dem Verhalten selbst, sondern aus der Bewertung dieses Verhaltens.
Gerade dieser Zusammenhang zwischen Selbstkritik und Selbstzweifeln ist etwas, worüber ich auch in meinem Podcast LASS LOS regelmäßig spreche. In den etwa 30-minütigen Videofolgen, die zweimal pro Woche erscheinen, geht es immer wieder um die Frage, warum wir uns selbst oft strenger behandeln als andere und wie alte innere Regeln unser Denken beeinflussen können, ohne dass wir es bewusst merken.
Warum dein Gehirn Schuldgefühle produziert
Schuldgefühle haben ursprünglich eine wichtige soziale Funktion. Sie helfen uns, Beziehungen zu stabilisieren und Verantwortung für unser Verhalten zu übernehmen. Wenn wir jemandem wirklich Unrecht getan haben, kann Schuld ein Signal sein, etwas zu klären oder zu verändern.
Das Problem entsteht dann, wenn dieses System überempfindlich wird und auch in Situationen anspringt, in denen gar kein Schaden entstanden ist. Wenn du beispielsweise eine Einladung absagst, weil du erschöpft bist, bedeutet das nicht automatisch, dass du jemanden verletzt hast. Doch wenn dein inneres Bewertungssystem darauf trainiert ist, jede mögliche Enttäuschung als eigenen Fehler zu interpretieren, reagiert dein Gehirn trotzdem mit einem Schuldimpuls.
Der erste Schritt: Schuldgefühle verstehen statt bekämpfen
Viele Menschen versuchen, Schuldgefühle möglichst schnell loszuwerden, indem sie sich einreden, dass sie „mehr an sich denken sollten“. Doch dieser Ansatz greift oft zu kurz, weil das Gefühl selbst damit nicht verschwindet.
Hilfreicher ist es, zunächst zu verstehen, woher dieses Gefühl kommt und welche inneren Regeln dahinterstehen. Wenn du bemerkst, dass dein Schuldgefühl vor allem dann auftaucht, wenn du dich selbst wichtig nimmst, kann es sein, dass du unbewusst noch nach alten Maßstäben handelst, die in deiner aktuellen Lebenssituation gar nicht mehr notwendig sind.
Diese Erkenntnis verändert zwar nicht sofort das Gefühl, aber sie schafft einen wichtigen Abstand.
Wenn du tiefer einsteigen möchtest
Wenn du dich in diesen Gedanken wiedererkennst und merkst, dass Selbstzweifel und Selbstkritik in deinem Alltag eine große Rolle spielen, kann es hilfreich sein, diese Muster genauer zu verstehen. Genau darum geht es auch in meinem kostenlosen Webinar am 23.3. um 18 Uhr.
Der große Vorteil des Webinars besteht darin, dass du nicht nur theoretische Erklärungen bekommst, sondern praktische Perspektiven und Übungen, mit denen du beginnst, deinen inneren Kritiker zu hinterfragen und wieder mehr Vertrauen in deine eigene Wahrnehmung zu entwickeln.
Wenn du dabei sein möchtest, kannst du dich kostenlos anmelden und dir deinen Platz sichern. Manchmal beginnt Veränderung genau in dem Moment, in dem du dir erlaubst, deine eigenen Bedürfnisse nicht länger als Problem zu betrachten.






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